Test: Historyline 1914-1918 (Strategie)

Der Kaiser ruft und wir igeln uns ein! Ein Rundenstrategie-Klassiker neu entdeckt.

Früher war es in der Strategielandschaft noch einfach. Es gab eigentlich nur Rundenstrategie-Spiele und davon auch meistens gleich eine ganze Menge. Ein Command & Conquer war noch weit entfernt und die Strategen unter uns kannten so etwas wie Hektik gar nicht. In dieser Zeit versuchte auch Blue Byte mit Historyline 1914-1918 Fuß in diese Welt zu fassen und veröffentlichte mit diesen Titel eine durchaus interessante Strategieperle, die früher von vielen sehr intensiv gespielt wurde. Wir haben uns das Spiel nun erneut angeschaut und möchten euch in diesem Test einen kleinen Einblick geben und euch gleichzeitig sagen, ob es sich lohnt diesen Titel selbst zu spielen oder ob man die Vergangenheit lieber ruhen lassen sollte.Der Computer hat deutlich mehr Einheiten in jeder Mission zur Verfügung.

Story

Der Name des Spiels deutet es natürlich schon deutlich an: Historyline 1914-1918 spielt im ersten Weltkrieg und stellt den Spieler die beiden Hauptfraktionen, die Deutschen sowie Franzosen, zur Auswahl bereit. Die Kampagnen spielen an der Westfront, sind dabei sehr umfangreich und umfassen jeweils 24 Missionen, die man nacheinander frei spielt. Jede Kampagnenmission ist dabei mit einem Levelcode gekennzeichnet. Diese Codes sollte man sich unbedingt aufschreiben, wenn man einige Missionen noch einmal spielen möchte.

Innerhalb der Kampagnen erlebt der Spieler dabei die Kriegsjahre von 1914 bis 1918 auf der deutschen sowie französischen Seite und bekommt auch das passende Kriegsgerät für die entsprechenden Jahre bereitgestellt. Durch dieses Feature freut man sich auch auf neue Missionen, da am Anfang eines neuen Levels die neusten Technologien präsentiert werden, diese dann auch im Einsatz bereitstehen und meistens auch von entscheidender Bedeutung für den eigenen Sieg sind. Nach jeder Mission gibt es zudem Kriegsberichte, die wichtige historische Ereignisse zusammenfassen. Manchmal kommen auch kleine Renderfilme, die eine Auszeichnung darstellen oder kleine Ereignisse relativ kurz präsentieren, zum Vorschein.Wir werden nach einer erfolgreichen Schlacht ausgezeichnet.

Das Ganze drumherum trägt auch sehr zur Atmosphäre bei und lässt den Spieler den ersten Weltkrieg ein wenig nacherleben. Auch kleine Details auf den Schlachtfeld, wie Schnee, Berge oder Flüsse sorgen für eine Intensivierung des Spielerlebnisses.

Gameplay

Wie es für ein Rundenstrategie-Spiel typisch ist, setzt natürlich jeder Spieler seine Einheiten hintereinander. Historyline unterteilt hierbei aber noch in eine Angriffs- sowie Bewegungsphase, woran sich vielleicht einige Spieler gewöhnen müssen. Der Vorteil an diesem Prinzip ist, dass die beiden Fraktionen in jeder Runde etwas zu tun haben und die Wartezeit dadurch schneller überbrückbar ist. Zudem ist es durch die erweiterten Optionen auch möglich Zeitlimits einzufügen, damit die Züge schneller verlaufen und ein gewisser Druck herrscht. Nachteilig wird das Zugprinzip allerdings, wenn man gegen einen menschlichen Spieler spielt. Da beide Personen das Schlachtfeld gleichzeitig im Blick haben, ist es natürlich einfach, mal kurz beim Feind mit den Augen vorbeizuschauen und sich seine Züge anzugucken. Hier hilft theoretisch nur Selbstdisziplin (haha) oder die Zugphasen doch nacheinander abzuarbeiten und dann den entsprechenden Bereich des Gegenspielers zum Beispiel mit ein Stück Pappe abzudecken. 😉

Zum Punkt KI lässt sich eigentlich ein Satz sagen: Die KI ist mist. Je länger man in der Kampagne unterwegs ist, desto klarer wird einen, dass die KI der Computergegner früher einfach lächerlich war. Der Computer stürmt grundsätzlich mit seinen Einheiten unserer Verteidigung entgegen. Als Spieler merkt man so natürlich schnell, dass man sich erst einigeln muss und nach dem ersten Ansturm dann selber zurück schlägt.Der Computer stürmt blind in unsere Verteidigung und lässt dadurch unser Schienengeschütz zur absoluten Superwaffe werden.

Warum die Schlachten dann trotzdem ihren Reiz haben? Nun, die KI hat meistens deutlich mehr Einheiten auf dem Schlachtfeld, so dass wir auch in der Verteidigung uns nicht viele Fehler erlauben dürfen. Auch schmerzt gleichzeitig der Verlust von Einheiten, da wir diese nicht so einfach ersetzen können. Es gibt zwar durchaus Fabriken, wo man neue Soldaten und Maschinen bauen kann, allerdings ist es immer empfehlenswerter seine verfügbaren Einheiten zu reparieren. Diese bekommen nämlich nach jedem Gefecht einen Rangaufstieg spendiert und werden so schnell zu sehr tödlichen Eliteeinheiten. Und da wir gerade bei dem Thema Fabriken und Ressourcen sind: Natürlich hat der Computer auch hier erhebliche Ressourcen-Vorteile, so dass dieser sehr schnell neue Einheiten nachproduziert. Sicherlich nicht realistisch und fair, aber nur durch diese beiden Punkte ist der Computer überhaupt gefährlich und stellt in jeder Mission eine Herausforderung dar.

Was uns persönlich während des Tests ein wenig gefehlt hat, ist die Abwechslung. Das einzige Ziel ist es immer wieder den Feind zu vernichten oder sein Hauptquartier einzunehmen. Zwar sind die Missionen manchmal auch so ausgelegt, dass man zum Beispiel unbedingt eine Seeschlacht gewinnen muss, um das Level zu schaffen, aber trotzdem wären abweichende Missionsziele durchaus wünschenswert gewesen. Den immer gleichen Spielablauf hält man so leider auf Dauer nicht aus und macht eigentlich später nach jeder Mission eine kleine Pause, um erst einmal wieder neue Kraft für die nächste Einigel-Mission zu sammeln.

Technik

Klar, das Spiel ist aus dem Jahre 1992 und reißt grafisch keinen Blumentopf mehr aus. Trotzdem merkt man Historyline an, dass die Entwickler sich deutliche Mühe beim Grafikdesign gegeben haben und so alles stimmig wirkt. Dem folgend ist es heute auch noch möglich sich den Titel anzuschauen ohne die Grafik als wirklich abstoßend wahrzunehmen.Unser Schienengeschütz zerstört eine Artillerie im Gefecht.

Beim Sound sieht die ganze Sache zudem immer noch sehr gut aus. Ja, auch hier hört man detaillierte Klänge und Effekte natürlich nicht heraus, aber irgendwie hat man das Gefühl, dass es trotzdem zusammenpasst. So sorgt die musikalische Untermalung durch ändernde Stücke passend zum Schlachtverlauf für entsprechende Atmosphäre und auch die spärlichen Waffengeräusche wirken nicht deplatziert.

In Zeiten wo der Begriff Tutorial nur große Fragezeichen aufkommen ließ, war natürlich auch eine gute Steuerung wichtig. Dies meistert das Spiel mit Bravour, da nur die Cursor- sowie Entertaste benötigt werden. Am Anfang muss man sich trotzdem kurz an die Steuerung gewöhnen, hat diese aber in der Regel nach fünf Minuten verinnerlicht.

Multiplayer

Obwohl Historyline 1914-1918 schon einen umfangreichen Singleplayer-Modus hat, sparten die Entwickler auch nicht im Mehrspieler-Teil und statteten diesen mit insgesamt 24 zusätzlichen Maps aus, die grob an die Kampagne angelehnt sind und im Splitscreen-Modus an einem PC gespielt werden können. Im Gegensatz zum Einzelspieler-Modus stehen hierbei natürlich beiden Fraktionen ungefähr die gleiche Einheitenanzahl zur Verfügung, damit es in diesen Partien auch fair zugeht. Allerdings muss man auch deutlich erwähnen, dass die Franzosen bis ins letzte Kriegsjahr hinein zumindest bei der puren Einheitenstärke überlegen sind, da diese relativ frühzeitig die ersten Panzer besitzen sowie auch die besseren Flugzeuge auf den Schlachtfeld einsetzen. Erst im Jahre 1918 entsteht ein Gleichweicht, da die Deutschen dort endlich gleichwertige Konterparts zur Verfügung haben.Die Junker (blaues Flugzeug) ist für diesen Einsatz überlebenswichtig, da unser Hauptquartier von unserem restlichen Heer abgeschnitten ist und wir keine zusätzlichen Flugzeuge bauen dürfen.  Trotzdem sind gerade die Multiplayerpartien das Spannendste an Historyline! Hier wird einfach jeder Fehler eiskalt bestraft und seien wir mal ehrlich: Jeder strategische Sieg über einen Freund fühlt sich einfach super an. Für die ultimative Herausforderung ist es zudem möglich die Einzelspieler-Missionen gegen einen Freund zu spielen, allerdings ist dort das Einheitenverhältnis nicht mehr ausgeglichen.

Fazit

Historyline 1914-1918 macht heutzutage immer noch viel Spaß, wenn man Rundenstrategie-Spiele mag. Wer diesen Klassiker noch nie gespielt hat, sollte das unbedingt nachholen! Alleine schon das interessante Szenario rund um den ersten Weltkrieg tut der Spielatmosphäre sehr gut. Habt ihr zudem die Möglichkeit gegen Freunde im Multiplayer-Modus anzutreten, wird euch das Spiel garantiert nicht mehr so schnell los lassen.